Wie Du Deine 24h-Wanderung planst

In diesem Artikel geben wir Dir das Rüstzeug in die Hand, damit auch Du Deine 24h-Wanderung planen und durchführen kannst. Denn so ein kleines privates Event mit guten Freunden ist einfach noch viel intensiver als eine organisierte Großveranstaltung.


Lange Touren reizen mich von je her. Nach dem Interview mit Renate hat sie mich zur Teilnahme am Mega-Marsch mit 100 km von München nach Mittenwald überredet. Schwierig war das nicht, da ich schon länger mit solch einer Herausforderung geliebäugelt hatte.

So stand ich mit ihr an einem sonnigen Nachmittag am Isarufer an der Startlinie. Ein paar Motivationssprüche aus dem Lautsprecher und dann gings los. Morgens erreichte ich Kochel am Staffelsee, mit knapp 70km in den Waden entschied ich mich aufzuhören: das war nicht mein Event, nicht meine Strecke. Aber angefixt war ich schon – noch einmal, aber nach meinen Regeln!

Isar-Magie: Meine 24h-Tour

Im darauffolgenden Sommer war es dann soweit: ich bereitete eine 24-Stunden-Wanderung vor und lud ein paar gute Freunde ein. Das war der Plan: 

Wir treffen uns nachmittags in Lenggries auf der Kiesbank an der Isar, nach einem frischen Bad wandern wir durch die Jachenau. Gegen Abend, wenn die Sonne tief im Westen steht, genießen wir den Blick vom Risssattel auf das Isartal und die mächtigen Karwendelgipfel.

Kurz bevor uns die Sonne verlässt, nehmen wir nochmals ein Bad in der jungen Isar. Die Nacht verbringen wir im Sternenlicht zwischen den grauen Karwendelgipfeln. Als Frühsport nutzen wir den langgezogenen Aufstieg zum kleinen Ahornboden: ein wunderbarer Ort mit einer tollen Wiese und uralten Bäumen. Kräfte sammeln und Frühstück – mit Käffchen, bitte.

Über einen Steig – bezaubernd, aber steiler – zum Feldalmsattel. Ganz oben im Karwendeltal, mit Hammeraussicht. Von dort aus weist uns der Karwendelbach den Weg zur güldenen Kiesbank in Scharnitz, oh Du wundervoller Ort…

Natürlich kam es alles ein wenig anders, aber das ist ja auch der Reiz an dieser Sache. Der Wald wurde von zahllosen Glühwürmchen erleuchtet, das zweite Isarbad erreichten wir erst bei stockfinsterer Nacht. Der Aufstieg zum Hochalmsattel gestaltete sich härter als gedacht, wir waren todmüde und so langsam, und dann kam auch noch ein ausgedehnter Regenschauer…

Im Karwendelhaus legten wir daher eine ungeplante Pause ein. Nass und übernächtigt, fühlten wir uns im vollen Frühstücksraum zunächst wie Aliens, wurden aber herzlich aufgenommen und mit Kuchen und Kaffee wieder “aufgepäppelt”. Am Vormittag kam die Sonne zurück, aber bis nach Scharnitz zog es sich dann ganz schön – unsere Füße glühten in der heißen Nachmittagssonne. Irgendwann kamen wir endlich an und waren in einer ganz besonderen Art und Weise glücklich:

Unsere Glücksformel: Monotasking – ein Tag – eine Aufgabe

In der Zeit danach hatten wir noch regen E-Mail-Verkehr untereinander, in dem wir unsere Erlebnisse teilten. So wirkte das Erlebnis noch lange nach. Es ist auch mehr passiert als an einem normalen Tag. Ich schrieb, dass ich um die Erfahrung froh bin, aber es nie wieder tun werde. Dem stimme ich heute nicht mehr zu – meine Lust ist definitiv zurückgekehrt.


DIY 24h-Hike: So gehst Du vor

Hier findest Du die wichtigsten Punkte, damit Du Deine 24h-Wanderung gut vorbereiten und sicher durchführen kannst:

  1. Freunde begeistern
    Ideal ist ein Wochenende, damit nach der Tour noch Zeit für Erholung und zum Nachspüren bleibt. Stimmt auch gleich ein Ersatztermin ab, falls das Wetter nicht mitspielt.
  2. “Carpe Diem” Trainingstour
    Einen ganzen Tag auf den Beinen sein ist schon eine Herausforderung. Vielleicht willst Du Dich mit einer Probetour vorbereiten: Gehe von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, natürlich mit Pausen. Das gibt Dir ein ganz gutes Gefühl, welche Strecke Du an einem Tag locker bewältigen kannst.
  3. Den Plan aushecken
    Findet Eure Tour. Von wo? Nach wo? Warst Du dort schon mal nachts? Wichtig ist, dass die Tour für Euch alle wahrscheinlich machbar ist: Herausforderung ist OK, aber große Überforderung nicht.
  4. Wetter beobachten
    Kurz vor dem großen, langen Tag solltest Du das Wetter im Blick behalten. Ein Schauer ist sicherlich kein Problem, stundenlanger Dauerregen und kalter Wind aber schon.
  5. Rucksack packen
    So es geht los, packe Deinen Rucksack und wähle die passende Kleidung. Vergiss Dden Sonnenschutz nicht, für kühle Nächte einen warmen Pulli.

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Wie planst Du Dir den Tag und die Strecke?

  • Längenempfehlung: ca. 65 – 70 km für normal fitte Leute
  • Empfehlung für Höhendifferenz: max. das doppelte Pensum einer Tageswanderung
  • Viele Wander- und Forstwege, wenig Asphalt
  • Streckenplan: Wo bist Du nach welcher Zeit?
  • Tagesverlauf: Wo bist Du zum Sonnenuntergang, im Morgengrauen? Wann hast Du Sonne oder Schatten?
  • Nachts solltest Du Meister des Terrains sein (Anspruch/Gefährlichkeit)
  • Zum Ende keine großen Anstiege oder steile Abstiege mehr
  • Wann erreichst Du schöne Pausenorte?
  • Bieten sich Bademöglichkeiten, wann erreichst Du sie?
  • Wo findest Du Wasser / Verpflegung? Wo nicht?
  • Wo sind Ausstiegspunkte? Wie und ab wann kommst Du von dort wieder zurück?
  • Gibt es einen Point-of-No-Return? Haltet dort kurz Rat, damit sich jede/r bewusst entscheiden kann ob er/sie weitergehen möchte oder nicht.
Infografik

Unsere Empfehlung für die Streckenlänge hat sich aus den Erfahrungen vom Mega-Marsch, der Carpe-Diem-Probewanderung und unserer 24h-Isarmagie-Wanderung ergeben: ab Kilometer 60 brennen die Füße ziemlich. Wer längere Strecken gewohnt ist, kann sicherlich auch noch mehr Entfernung überbrücken.


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Vielleicht hast Du eine Strecke im Blick, die beliebig verkürzt oder verlängert werden kann – umso besser. So hatte ich es mir auf meiner Carpe-Diem-Probetour eingerichtet: Ich startete in Eschenlohe und bin über den Walchensee, durchs Isartal nach Vorderriss und durch die Jachenau bis nach Lenggries gewandert. Von dort hätte ich der Isar noch beliebig weit folgen – aber auch jederzeit aufhören und zum nächsten Bahnhof trampen können.

Wie verpflege ich mich unterwegs?

  • Bedarf: drei normale Tagesrationen (die brauchst Du wirklich)
  • Nimm Dir richtig leckere Sachen mit: etwas zum Genießen!
  • Süß, Sauer, Würzig, Mild, Scharf, Knackig, Hart, Weich…
  • Kocher und Topf für einen heißen Tee in der Nacht
  • Gefüllte Bialetti für einen leckeren Kaffee am Morgen
  • Power-Riegel, Magnesium und Traubenzucker – falls mal nix mehr geht

Essen ist wichtig, sehr wichtig. Wir haben uns dazu entschlossen, komplett autark unterwegs zu sein und dementsprechend viele Leckereien in die Vespertüte gepackt. So eine 24h-Tour besteht quasi aus drei normalen Tagesetappen, daher brauchst Du auch die entsprechende Energiezufuhr. Unser Tipp: Spare nicht an der Verpflegung – Du wirst Dich dafür lieben!

Welche Ausrüstung brauchst Du für den Tag?

  • Gut eingelaufene Schuhe, leichte Trail- oder Laufschuhe sind ideal
  • Nachts wird es kühl: lange Kleidung und eine leichte Windjacke beim Gehen
  • Für Pausen etwas Warmes zum Überziehen, Pulli und Mütze
  • Tagsüber brauchst Du Sonnenschutz (Creme und Käppi)
  • Trinkflasche, Tasse
  • Stirnlampe mit frischen Akkus
  • Isomatte für ein Powernap in den Pausen
  • Erste Hilfe
  • Regenschutz
  • Wanderstöcke können hilfreich sein, jeder wie er mag
  • ggf. Musik (klar was Treibendes, aber auch Elegisches zum Träumen)
  • Ein Handtuch fürs Baden und als Vesperdecke

Wir haben uns spontan dazu entschieden, unsere Isomatten mitzunehmen, aber keinen Schlafsack. So waren kurze Powernaps in der Nacht möglich, das tat unglaublich gut. Die Isomatte wiegt ja nicht viel, diese Entscheidung hat sich also voll gelohnt.

Was ist unterwegs zu beachten?

  • Gehe Dein Tempo
  • Mach Pausen, wann immer Dir danach ist
  • Iss und Trinke genügend

Die ICH-Geschwindigkeit ist genau Deine Geschwindigkeit, mit der Du alles erreichen kannst. Jeder hat seine, entdecke die Deine! In diesem Tempo bist Du super effizient. Dass sich die Gruppe unterwegs verteilt, ist daher ganz normal und sinnvoll. Spür in Dich und den Moment hinein.

Wie organisiert sich die Gruppe?

  • Welche festen Treffpunkte gibt es?
  • Genießt die Pausen gemeinsam, das tut so gut
  • Kommuniziert klar, wenn jemand aufhören will und heim geht
  • Wie verständigt Ihr Euch im Notfall? (SMS ist mancherorts zuverlässiger als Messenger)

Mit diesen Tipps und Überlegungen sollte Deinem wunderbaren Tag nichts mehr im Wege stehen. Natürlich gibt es Höhenpunkte an diesem Tag, aber auch eine Durststrecke, auf der Dich Deine Dämonen einholen. Egal – was immer auch passiert: das Schöne ist, dass gute Freunde dabei sind und Ihr Euch helfen könnt. Ein unvergessliches Erlebnis sei Dir garantiert.

Wir wünschen Dir bei Deiner 24h-Wanderung viel Freude und passendes Wetter. Frag uns gern falls Du noch weitere Einschätzungen benötigst & bitte berichte uns von Deinem 24h-Wandertag auf eigene Faust.

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