Erprobte Praxis-Tipps für Winterbiwaks

Im Winter biwakieren oder im Zelt übernachten ist ein echtes Spektakel. Die Luft ist klar, aber auch kalt. Die weißen Gipfel um Dich herum reflektieren das fahle Mondlicht, die Sterne funkeln. Es mag zwar arschkalt sein, mit unseren erprobten Tipps wird Deine Nacht draußen trotzdem gemütlich.

Lagerplatz

Wenn genügend Schnee liegt, dann kannst Du theoretisch an jeder flachen Stelle Dein Lager aufschlagen, allerdings gibt es ein paar Dinge zu beachten:

  • Wähle einen sicheren Ort
    Schlage Dein Lager also nicht unterhalb eines steilen Hangs auf, ein Lawinenabgang könnte Dich verschütten. Bist Du ganz oben am Gipfelgrat, meide die Wechten, auch wenn ihre abgeflachten Rücken verlockende Plätze geben: Brechen sie ab, rauschst Du in die Tiefe.
  • Meide Skipisten
    Nachts werden die Pisten präpariert, da bist Du einerseits im Weg und andererseits brauchst Du diese Motorenlärm nicht zum Einschlafen. Manche Pistenbullis sind automatisch gesteuert und würden Dich glatt überfahren.
  • Mache es Dir gemütlich
    Suche Dir einen windgeschützte Stelle und trample den Schnee auf Deinem Biwakplatz großzügig flach und fest. Lege Dir eine Zeltplane unter, so hast Du einen trockenen Ort, um Deine Sachen auszubreiten.
  • Trample auch den Weg zum “Klo” frei, damit Du nachts nicht durch den Tiefschnee stolpern musst.
  • Grundsätzlich sind die Wanderstöcke oder kleine Äste prima Schneeheringe für Dein Zelt oder die Plane.

Warm bleiben

In klaren Nächten ist der Sternenhimmel wunderschön. Aber dann ist es auch ordentlich kalt. Mit diesen einfachen Vorkehrungen hebst Du das Limit Deines Schlafsacks:

  • Nimm eine gute Isomatte mit
    Das A & O ist, von unten her nicht auszukühlen, sonst wird es Dir nie warm. Wenn Du Deiner Isomatte nicht traust, dann kannst Du sie mit einer dünnen “Alumatte” unterstützen. Zur besten Wärmeisolierung legst Du die Alumatte auf Deine Isomatte.
  • Schlafsack auspolstern
    Stopfe den Fußraum mit Deiner Wechselwäsche aus, so bleiben Deine Füße kuschlig warm. Seitenschläfer legen sich etwas Warmes über den Po. Falls der nämlich mal über die Isomatte rutscht, wird er nicht so schnell kalt.
  • Inlay verwenden
    Nimm Dir eine zusätzliche Hülle für innerhalb des Schlafsacks mit. Das hebt das Temperaturlimit gleich um ein paar Grad nach oben. Es ist zwar zusätzliches Gewurstel, aber lieber wursteln als bibbern 😉
  • Wasservorräte nicht in den Schlafsack
    Auch wenn das Wasser über Nacht gefrieren wird – die kalten Wasserflaschen kommen nicht in den Schlafsack. Willst Du Wasser fürs Frühstück aufheben, dann lagere es in Deiner Thermoskanne.
  • Kopf warmhalten
    Neue Schlafsäcke haben in der Regel enganliegende Mützen für Deinen Kopf, die halten gut warm. Ist Dein Kopfteil weiter geschnitten, dann ziehe Dir eine Wollmütze über. Am Kopf kannst Du leicht sehr schnell und viel Wärme verlieren.

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Essen und trinken

Beglücke Dich mit etwas Warmem: Vielleicht nimmst Du genügend heißes Wasser in Thermoskannen oder Du hast Deinen Kocher dabei. Hauptsache heiß!

  • Um Wasser brauchst Du Dir kaum Gedanken zu machen, es liegt genügend rum. Allerdings dauert das Schneeschmelzen im Topf lange. Nimm also genügend Brennstoff mit.
  • Schütze Deinen Kocher vor Wasser, er kann einfrieren. Über Nacht am besten abdecken. Ist er Dir eingefroren wärmst Du ihn im Schlafsack wieder auf.
  • In sehr kalten Nächten kann es sinnvoll sein wenn Du die Gaskartusche morgens im Schlafsack aufwärmst, dann brennt es besser. Zur Not kannst Du die Gaskartusche auch mit den Händen wärmen wenn die Flamme zu klein wird.
  • Nimm alle Lebensmittel, die nicht einfrieren dürfen, mit in den Schlafsack. Am besten kein kälteempfindliches Essen einpacken.
    Das Wasser in Deiner Trinkflasche oder -blase wird einfrieren. Leere sie abends.
  • Ein Glühwein oder Tee mit Rum hilft beim Wärmen und beim Einschlafen.
  • Bedenke, dass im Winter Dein Energieverbrauch höher ist als im Sommer. Dein Körper muss ja dauernd die Heizung anhaben. Nimm Dir also genügend Futter und Schokolade mit.

Gut durch die Nacht

Es ist mit wunderbaren Ausblicken zu rechnen. Es lohnt sich also auf jeden Fall immer mal wieder aus dem Schlafsack zu schauen. Egal wie kalt es ist, versprochen!

  • Nimm alle Elektronikgeräte mit in den Schlafsack. Die Akkus mögen keine Kälte, außerdem hast Du so Deine Kamera schnell griffbereit.
  • Packe alles in Deinem Rucksack zusammen und decke ihn gut ab, damit kein Schnee oder Eis hinein kommt.
  • Decke auch Deine Schuhe ab, damit kein Schnee oder Eis hineingeblasen werden kann.
  • Ist Deine Liegefläche nicht ganz eben, dann wühle Dir mit der Hüfte eine Kuhle in den Schnee. So liegst Du nicht nur ergonomischer, sondern fixierst Dich auf Deiner Isomatte.
  • Falls Du ein Kissen verwendest, so binde es gut fest. Gerade die leichten aufblasbaren Kissen sind schnell von einer Windböe davongetragen. Wir sprechen aus Erfahrung 😉
  • Dein Schlafsack hat innen einen Wärmekragen. Ziehe ihn fest zu, so kommt keine kalte Luft mehr an Dein Körper. Das Kopfteil kannst Du auch enger ziehen. Lasse es aber etwas offen, damit die feuchte Atemluft entweichen kann, sonst hast Du es bald feucht am Kopf.
  • Biwak-Essentials für Vollmondnächte: Schlafmaske mitbringen, denn es ist ziemlich hell.

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Sicherheit

Bei einem Biwak setzt Du Dich bewusst der Natur aus. Das ist es, was Dich alles so intensiv erleben lässt. Aber natürlich macht Dich das auch verletzlicher.

  • Stabiles Wetter
    Schneesturm zum Frühstück? Nein, danke. Starker Wind allein kann schon ziemlich nervig sein. Prüfe die Wettervorhersage. Wir empfehlen stabilen Hochdruck, wenig Wind mit klarem Himmel.
  • Biwak-Sack immer dabei
    Egal wie die Prognose lautet – das aktuelle Wetter hat immer recht. Mit dem Biwaksack bist Du nochmals vor Wind und Nässe geschützt. Er wiegt nicht viel, kann aber entscheidend sein: Nimm ihn immer mit!
  • Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten kennen
    Mach Dich mit der Umgebung vertraut: Gibt es eine Hütte oder eine Höhle in der Nähe? Wo ist der Notabstieg? In welche Richtung darf ich nicht, weil es dort einen steilen Abbruch gibt? Habe einen Plan für den schnellen Rückzug parat falls es nötig sein sollte.

Wenn Du gut vorbereitet in ein Winterbiwak startetst wirst Du nicht in extreme Situationen kommen: Wir empfehlen Dir trotzdem den wirklich guten Artikel von Notbiwak – KnowHow von bergsteigen.at – so hast Du immer noch einen Trumpf in der Hand, falls es doch mal härter kommt als geplant.

Umweltschutz

Was im Sommer gilt, das stimmt natürlich auch im Winter. In der kalten Jahreszeit solltest Du sogar noch mehr Rücksicht nehmen:

  • Tiere schützen
    Der DAV hat für Skibergsteiger sensible Brut- und Rückzugsregionen von Tieren in den Landkarten markiert. Diese solltest Du natürlich auch als Winterwanderer oder Schneeschuh-Geher respektieren.
  • Hinterlasse keinen Müll
    Eh klar, nimm alles wieder mit. Achte schon beim Biwak selbst darauf, dass der Wind Dir keine Verpackung weg bläst.
  • Reise umweltverträglich
    Nutze den Zug und die Busverbindungen in die Berge. Das ist gerade beim Heimfahren super angenehm, wenn Du nicht mehr auf den Verkehr achten musst und in Deinen Gedanken dem Abenteuer nachhängen kannst.

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Planung

Manchmal passt einfach alles, dann geht es ganz schnell und Du bist draußen. Für weiter entfernte Ziele braucht es oft ein wenig Vorausschau. Unsere Tipps helfen Dir bei der groben Richtung:

  • Im Hochwinter (Dezember und Januar) sind die Nächte sehr lang, es ist oft mit Niederschlägen und Bewölkung zu rechnen. Es ist meist nicht sehr kalt, dafür eher feuchter. Unser Tipp: Besser mit Zelt
  • Im Spätwinter (Februar und März) sind die Nächte kälter und es ist eher trockener. Eigentlich die ideale Zeit für Winterbiwaks. Es ist abends auch schon länger hell.
  • Willst Du Dein Schlafsack-Limit ausreizen, dann empfehlen wir Dir eine Nacht Ende Januar / Anfang Februar im Rofan-Gebirge. Dort kannst Du Dir in aller Ruhe bei -20 Grad den Allerwertesten abfrieren. Zur Not ist die Erfurter Hütte nicht weit.
  • Silvester noch nichts vor? Das Neue Jahr lässt sich ganz prima von oben begrüßen. Pack Dir einen Glühwein und eine leckere Suppe ein und schau dem Geballer ganz entspannt von oben zu.

Winterbiwaks sind eine ganz besondere Sache. Sie kosten mehr Überwindung und der Schlaf ist vielleicht nicht ganz so erholsam. Aber die Erfahrung wiegt alles wieder auf. Fass Dir Mut, pack Deine Sachen und penn’ im Schnee. Wir drücken Dir ganz fest die Daumen.

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2 Kommentare

Bernd 10. September 2019 - 13:47

Hallo und Danke für die Tips! Man lernt ja immer wieder dazu und bekommt neue Anregungen. Eine Silvester-Tour sollte ich tatsächlich mal in Angriff nehmen – das ist so ein Datum, wo ich immer nicht richtig weiß, wohin mit mir. Die Ballerei geht mir auf den Keks und irgendwo in der Hütte sitzen muß da auch nicht sein – also auf in die Berge! Die schönsten Winter- Abenteuer finden bei uns normalerweise am 4.Advent in der Sächsischen Schweiz statt. Grüße! Bernd

Antworten
Uli 18. September 2019 - 18:44

Hallo Bernd!
Von den Winter-Abenteuer in der sächsischen Schweiz habe ich noch nicht gehört, aber die Gegend wollen wir auf jeden Fall mal erkunden. Wenn die Planung konkreter wird, melden wir uns bei Dir.
Grüße
Uli

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