Alpenüberquerung – Die Bergsteiger-Variante

Unsere Alpenüberquerung ist eine abwechslungsreiche Trekkingtour über grüne Wiesen, aussichtsreiche Höhenwege, durch dichte Wälder, tiefe Täler und zu gemütlichen Hütten. Diese Route führt durch die bayerischen Voralpen, Kaisergebirge, Hohe Tauern, Sextener und Belluneser Dolomiten von Bayrischzell nach Belluno.

Wenn Du gleich zu den Hard Facts springen möchtest: HIER findest Du unser Infopaket zur Tour.

Mein Vater hatte den Traum, die Alpen zu Fuß zu überqueren. Leider konnte er ihn nicht mehr realisieren. So fiel mir das Büchlein “Traumpfad: München – Venedig” in die Hände. Als begeisterter Bergsteiger war ich gleich vom Fieber gepackt und beschloss, für mich und meinen Vater, den Bergteil des Traumpfades zu gehen. Es war meine erste Alpenüberquerung zu Fuß.

Kaum wieder zu Hause, studierte ich die Karten. Da geht noch was. Die Grassler-Route gilt als eine der schönsten Fernwanderwege Europas, aber diesmal wollte ich an den Drei Zinnen vorbeikommen. Und Christiane wollte auch mit: Jipieee!

Mein Finger wanderte kreuz und quer über das Papier, fand hier eine Möglichkeit, dort eine Sackgasse, da eine Verbindung… Ich würze meine Wanderungen gerne mit Kraxelstellen, mag auch lange Tage mit viel Auf und Ab. Die Alpen genießen, also auf den Hütten die regionalen Spezialitäten kennen lernen, gehört aber auch dazu.

Irgendwann hatte ich einen Zettel in der Hand: den Masterplan für eine spannende 3-wöchige Hüttentour nach Italien. So kann’s funktionieren. Ohne Guide, eh klar. Also Rucksack packen und nix wie los in die Bergwelt!


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Bayerische Voralpen & Tiroler Kalkalpen

Die erste Etappe ist klar gesteckt und von Bayrischzell geht es über den Gipfelgrat der Traithen zum Brünnsteinhaus. Es ist tagsüber etwas bewölkt, aber das Wetter hält, abends kommt sogar die Sonne raus. So können wir noch gemütlich vor der Hütte sitzen und das Müdesein genießen.

Am zweiten Tag queren wir das Inntal nach Kufstein und steigen zur einmalig gelegenen Vorderkaiserfeldenhütte auf. Mit dem Wetter haben wir wieder richtig Glück: Sonne satt – den ganzen Tag. Allerdings ist nun glasklar, dass meine geschätzten Gehzeiten alle viel zu niedrig angesetzt waren. Nun denn, es bleibt also spannend …

Am nächsten Morgen schüttet es aus Kübeln – das Frühstück gibt es als Kaugummi-Variante, damit wir es in die Länge ziehen können. Später lässt der Regen zwar nach, hört aber nicht ganz auf. Schlussendlich wandern wir gut eingepackt los und zum Glück ist es ja nicht weit zum Etappenziel: dem Stripsenjoch.

Yeah! Am dritten Tag ist es von der Früh weg kraxelig und die Sonne scheint wieder für uns. Mit dem großen Rucksack balancieren wir über den recht ausgesetzten Egger Steig zur Steinernen Rinne und weiter hinauf zum Ellmauer Tor. Der Wilde Kaiser ist ein wahrlich imposantes Gebirge!

Wir fühlen uns wohl: es ist toll, gemeinsam unterwegs zu sein. Langsam entspanne ich mich auch, denn wir kommen gut voran und freuen uns jeden Tag wie die Kinder, dass wir draußen sein dürfen. Daran tut auch ein weiterer Regentag kein Abbruch.

In den Kitzbühler Alpen gibt es dann den ersten richtig guten Apfelstrudel beim Fuchswirt in Kelchsau. Später kaufen wir leckeren Käse und Speck direkt von der Alm – einer der Vorzüge von Talwanderungen: Du kommst zwar nicht hoch hinaus, aber es warten stets Leckereien am Wegesrand.

Hohe Tauern & Alpenhauptkamm

Plötzlich stehen wir am Gerlospass: Vor ein paar Monaten war es hier noch weiß und ziemlich turbulent, jetzt stehen die Liftanlagen nutzlos im Grün der Sommerwiese. Ein Stück weiter im Wildgerlostal betreten wir den Nationalpark Hohe Tauern. Es wird einsamer und wilder, zum Schluss kommt nochmal ein knackiger Anstieg mit ein paar Kraxelstellen.

Abends hocken wir in der gemütlichen Stube der Zittauer Hütte und lassen uns die Knödel schmecken, während die Sonne langsam hinter dem Gletscher versinkt. Ringsum sehen wir nur Berge. Wir sind mittendrin!

Wandern am Hauptkamm der Alpen ist eine großartige Sache, unser Weg bleibt immer oben, wir haben immer Aussicht. Am späten Nachmittag erreichen wir Italien. Nach einem langen Abstieg checken wir verschwitzt und schmutzig in das einzige nicht ausgebuchte Hotel ein, wo wir uns zwar massiv underdressed fühlen aber dafür mit doppeltem Appetit zulangen. Mit unseren notdürftig gewaschenen Unterhosen, Socken und Shirts dekorieren wir das Zimmer. Olfaktorische Versuchskammer – bitte großzügig lüften!

Wolkenverhangen und mit Nieselregen beginnt der nächste Tag, wir steigen trotzdem auf. Die Sicht bleibt schlecht, unsere Stimmung ist gespannt. Aber dann, just als wir den höchsten Punkt unserer Tour, den Ahrner Kopf (3.061m) erreichen, reißt der Himmel kurz auf. Überrascht schauen wir uns um und sehen die mächtigen Gletscherausläufer des Großvenedigers. Wahnsinn!

Drei Zinnen

Wir haben schon einige tolle Bergpanoramas gesehen. Aber als wir das Toblacher Pfannhorn erreichen, haut es uns echt aus den Latschen. Vor uns steht die ganze Dolomitenpracht. Lange sitzen wir dort still nebeneinander und es kullern Tränen des Glücks. Unbeschreiblich!

Um an die Drei Zinnen zu gelangen gib es noch eine Pflichtübung: der Strudelkopf will bestiegen werden. Dort gibt es zwar keinen Kuchen, aber eine Hammeraussicht! Dann runter – rüber – wieder hoch & zack: Drei Zinnen.

Insider-Tipp: An der Langalm vor den Drei Zinnen wird ein superleckerer Apfelstrudel mit Traumblick serviert.

Die nächsten Etappen durch die Dolomiten warten immer wieder mit leichten Klettersteigen und Kraxelpassagen auf. Das Wetter bleibt auf unserer Seite und wir genießen die Tage draußen. Einfach immer weiter wandern.

Südliche Dolomiten

Unser Ziel rückt langsam immer näher. Das Klima wird mediterran, aber auch das schützt vor Regen nicht. Wir warten also mal wieder ab. Gegen Mittag lockert es auf und wir ziehen los. Am nächsten Refugio, es ist schon später Nachmittag, müssen wir entscheiden: hier bleiben oder hoch zur Biwakschachtel? Gerade ist es zwar trocken, aber so recht ist dem Wetter nicht zu trauen.

Im letzten Moment entscheiden wir uns zum Bleiben. Keine Stunde später wird es stockdunkel und es hagelt und blitzt wie verrückt. Puh, wir hatten den richtigen Riecher! Das Unwetter hätte uns voll erwischt. Wir sind froh, vorsichtig gewesen zu sein. Das hätte übel ausgehen können.

Ein neuer Morgen und wieder Sonnenschein, aber die Bergspitzen sind alle verzuckert. Auf dem Schiara-Gipfel ist es war zwar recht frisch, dafür aber die Luft so klar, dass wir sogar die Adria sehen können. Dieser Blick ist der absolute Knüller! Allein dafür lohnt es sich, drei Wochen zu wandern!

Dann steigen wir auf dem tollen Klettersteig durch die Südwand ab. Er fordert nochmals volle Konzentration, ist aber auch unglaublich schön zu gehen: Nie wirklich schwierig, aber immer spannend.

Abends erreichen wir müde und glücklich Belluno. Wir schauen uns immer wieder an und können es einfach nicht glauben, dass wir es geschafft haben. Wir haben die Alpen überquert! Das Dauergrinsen ist uns ins Gesicht getackert.

Gedanken zur Tour

Die Bergsteigervariante über die Alpen hat gerockt! Es ist eine bunte Mischung aus Wanderwegen und Steigen. Immer mal wieder gibt es Kraxelpassagen und leichte Klettersteige. Die Etappen fallen gerade am Hauptkamm länger und steiler aus, aber bis Du dahin kommst, bist Du fit genug dazu.

Dich erwarten wunderschönen Aussichten auf die majestätischen Dolomiten, die wirklich wie im Bilderbuch in der Abendsonne glühen. Kitsch powered by Patchamama!

Die Route ist ein echter Geheimtipp. Du triffst unterwegs niemanden, der die gleiche Strecke wandert wie Du. Nur im letzten Abschnitt ab der Civetta sind mehr Fernwanderer unterwegs.


Das Infopaket zur Tour:

Alpenüberquerung – Die Bergsteiger-Variante-Infopaket
Wenn Du gleich zu den Hardfacts springen willst. In unserem Infopaket findest Du alles was Du zum gleich Loswandern brauchst.


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