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Schlafsack für Winter- und Hochtouren – unsere Tests und Empfehlungen

Du suchst einen zuverlässigen kuschelig-warmen Schlafsack, der Dich auf Hochtouren oder Wintertouren auch bei zweistelligen Minusgraden nicht im Stich lässt? Dann lies weiter. In unserem kurzen Schlafsack-Test für alpine Biwaks und Wintercamping stellen wir Dir drei empfehlenswerte Modelle vor.

*** teilweise PR Sample/Werbung. Für die Einbindung werden wir aber nicht bezahlt und unsere Meinung ist davon unabhängig.

T-17 Monate: Nie wieder!

Als wir 2016 unsere einjährige Reise quer durch Südamerika inklusive zahlreicher Mehrtages-Treks in den Anden, vor allem in Peru planten, war schnell klar, dass mein zuverlässiger Mammut Ajungilak Tundra 3 Season jenseits der 4.500m an seine Grenzen kommen würde. Ein neuer Winterschlafsack musste her. Ich entschied mich für den Mountain Hardwear Ultralamina 15, einen Kunstfaserschlafsack (da er die feuchten Tropen ebenso ertragen muss wie hochalpines Gelände), der mit sehr guten Kritiken daherkam und einen Komfortbereich von bis zu -9°C versprach.

Tag 7: ein frostiger Morgen

Nun bin ich eine Frau. Eine sehr leicht frierende Frau. Eine Frau mit schnell eiskalten Händen und Füßen, die – einmal fröstelnd – ein gefühltes Jahrhundert braucht um wieder warm zu werden. Und ganz ehrlich: ich hab mir in Peru den Arsch abgefroren. Auf dem Santa Cruz Trek oder Huayhuash Trek waren die Tage einfach grandios, aber nachdem die Temperaturen erstmals auf -10 °C gefallen waren, habe ich jede Nacht jenseits der 4.000m mit Schrecken erwartet. Kalte Füße und ein ewiges leichtes Zittern trotz Inlay, langer Unterhose, zusätzlicher Jacke und zwei dicken Wollsocken hielten den erholsamen Schlaf auf sicherer Distanz. Ich startete nach jeder eisigen Nacht komplett erschlagen in den neuen Tag.


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guter Schlaf im Carinthia Pampa

Uli schwört seit Jahren auf seinen Carinthia Pampa, einen soliden Daunenschlafsack, der mir beim gelegentlichen Schlafsack-Tausch auch mal tatsächlich eine erholsame Nacht schenkte. Und den es mittlerweile nicht mehr zu kaufen gibt 🙁

Peru, Bolivien oder Kolumbien sind nicht die Orte um hochwertiges Outdoor-Equipment zu erwerben. Kaum zurück in Deutschland, sah ich mich also nach einer warmen Alternative um, die auch jenseits des Gefrierpunktes wohlig-warme Nächte verspricht.

Nie. wieder. will ich auf Tour so frieren. Ich will einen Schlafsack bis minus 20 Grad. Ich wähle fortan die Daune.

Los gehts!

Testprodukt: Vaude Alpstein 800 DWN

Gewicht: 1350 g
Füllung: 800g Gänsedaune 90/10
Bauschkraft: 800 cuin
Temperatur Komfort: -8 °C
Temperatur Limit: -16 °C
Temperatur Extrem: -37 °C
Packmaß: 40 x 25 cm
Länge: 235cm
Preis: UVP 650,-€

Diesen Schlafsack habe ich mir testweise ausgeliehen weil ich den umweltfreundlichen, nachhaltigen und fairen Ansatz von Vaude sehr gut finde. Stichwort Green Shape.

Und wow, dieser 4-Jahreszeiten-Schlafsack ist der Hammer! Der körperbetonte Schnitt lässt Dich nicht darin herumrutschen beim Umdrehen, das Material ist sehr angenehm auf der Haut und zudem wasserabweisend. Die Details sind sehr gut gelöst, intuitiv findest Du alle Kordeln zur Feinjustierung, nichts stört und der fette Wärmekragen schließt hervorragend ab.

Sowohl in der windigen Silvesternacht auf dem Wallberg als auch beim -15°C Hardcoretest im Rofan hat mich der Alpstein 800 DWN überzeugt. Viel kälter hätte es aber nicht sein dürfen. Das Komfortlimit (ein Standard-Mann kann gerade noch schlafen ohne zu frieren) ist mit -16°C angegeben, und daran haben wir sicher gekratzt. Morgens um 4 ging es gerade noch so.

Für mich mit meinen 1,66m ist er zu lang, aber das sind eigentlich alle Schlafsäcke. Ich stecke immer einfach alle gerade nicht getragenen Kleidungsstücke in den Fußraum um den Wärmeverlust zu minimieren und das passt dann.

Ein tolles Extra-Feature ist die kleine Innentasche, in der z.B. das Handy gut aufgehoben ist und eine akkuschonende warme Nacht in Deiner Nähe verbringen darf.

PRO: geringes Gewicht und Packmaß, umweltfreundlich und fair hergestellt, sehr gute Detaillösungen, hält was er verspricht, Extra-Innentasche, Aufhängeschlaufen, wasserabweisend behandelt, sehr hochqualitativer Eindruck

KONTRA: relativ teuer

Link zum Produkt: Vaude Alpstein 800 DWN


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Testprodukt 2: Robens Couloir 1000

Gewicht: 1620 g
Füllung: 1000 g Entendaunen 95/5
Bauschkraft: 700 cuin
Temperatur Komfort: -12 °C
Temperatur Limit: -21 °C
Temperatur Extrem: -44 °C
Packmaß: 41 x 21 cm
Länge: 190cm
Preis: UVP 499,95 €

Robens war so nett, uns diesen und den nächsten Schlafsack als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen damit wir sie in aller Seelenruhe testen können. Gesagt, getan.

Im Stubaital auf 3.300m richteten wir uns abermals ein Lager mit fantastischem Ausblick, diesmal allerdings ohne Zelt. Nachts fiel die Temperatur auf -10°C, dazu kam ein stetig zunehmender, eiskalter Wind, sodass wir annähernd ähnliche Testbedingungen hatten. (Am nächsten Morgen waren die Schlafsäcke von einer dünnen Eisschicht überzogen).

Und wow, kaum hatte ich ihn auf dem eisigen Untergrund ausgebreitet, lud die fluffige Daune zum Reinkuscheln ein. Als die Sonne sich verabschiedete verkrochen wir uns in die Schlafsäcke und SOFORT war alles gut. Die Füße haben noch eine Weile zum Auftauen gebraucht, aber ja, dieser Schlafsack hat das fast Unmögliche geschafft: ich lag bei -10°C draußen und habe nicht gefroren. Yeah! Ich bin sogar nachts bei eisigen Temperaturen aufgestanden um den Sternenhimmel zu fotografieren und danach komplett verfroren wieder eingestiegen. Ich konnte mir gerade noch so ein erleichtertes “Aaaaah” verkneifen um Uli nicht zu wecken.

Das auffallendste Feature ist gleichzeitig das beste: der mittig angebrachte Reißverschluss. Ruckzuck bin ich hinein geschlüpft, im Sitzen ist der Schlafsack fast wie eine Jacke. Und wenn Du wie ich alles was warm und trocken bleiben soll zum Auspolstern des Fußraumes verwendest, hast Du so auch im Sitzen einen sehr komfortablen Zugriff auf alles. Durch diese Konstruktion kann der Schlafsack komplett geöffnet auch als Decke verwendet werden, unschlagbar ist natürlich auch die Verwendung als Superheldenumhang 😉

Der Wärmekragen ist super und dichtet gut ab. Die beidseitige Reißverschlussabdeckung hat sich vor allem im Windzug bewährt.

Das Gewicht ist für die Leistung angemessen, das Packmaß sehr gut.

PRO: mittiger Reißverschluss, wasserabweisende Unterseite, hält was er verspricht, Aufhängeschlaufen, sehr gute Wärmeabdichtung

KONTRA: die relativ langen und dünnen Gummibändchen müssen bei komplett zugezogener Kapuze hinter dem Wärmekragen verstaut werden damit Du Dich darin nicht einwickelst – die Schere hilft. Nachteil des mittigen Reißverschlusses ist, dass der kalte Reißverschluss bisweilen die Lippen berührt und das nervt etwas. Eine bessere Abdeckung wäre hier schön gewesen.

BTW: Robens hat für die Couloir-Reihe 2017 den Outdoor Industry Award eingeheimst. Zu Recht.

Link zum Produkt: Robens Couloir 1000


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Testprodukt 3: Robens Serac 900

Schlafsack Serac 900 Kapuze zu

Gewicht: 1540 g
Füllung: 900 g Entendaunen 85/15
Bauschkraft: 600 FP
Temperatur Komfort: -12 °C
Temperatur Limit: -20 °C
Temperatur Extrem: -43 °C
Packmaß: 45 x 23 cm
Länge: 210cm
Preis: UVP 349,95 €

Diesen Schlafsack hat Uli getestet. Das gleiche Vertrauen, welches er seinem sich dutzendfach bewährten Carinthia schenkt, muss erst mal hart verdient werden.

Uli:

Gleich vorweg, ich hab ein verzerrtes Bild:

Im Rofan war die Nacht kälter, also absolut von der Temperatur her und subjektiv in meinem Schlafsack. In dieser Nacht ging es mir wie der Jane in den frostig kalten Anden. Ich lag mit Inlay und Mütze im Carinthia und blieb mit leichten Bewegungen warm. Rutschte ich ein Stück über die Isomatte, brach die Kälte recht schnell herein: erholsamer Schlaf ist anders.

Ganz zufällig entdeckte ich, jetzt erst beim Schreiben, einen verwaschenen Zettel an meinem alten Schlafsack darauf steht: -7°C max. Es war keine tolle Nacht, aber ich habe sie überstanden. Der Robens Serac 900 spielt da natürlich in einer ganz anderen Kälte-Liga.

Beim Vergleich habe ich gelernt, dass mein Carinthia den Reißverschluss an der anderen Seite (anderes links oder rechts, wie auch immer, das ist überbewertet) hat. Egal, meinereiner kann rechts wie links, ich merke da keinen Unterschied: den Reißverschluss von innen heraus zu bedienen finde ich da viel irritierender.

Ein schönes Detail des Robens Serac ist die Möglichkeit, die Ober- und Unterseite der Kapuze separat zu regulieren. Die untere ist sogar straffer, so zieht es Dir nicht gleich die Mütze ins Gesicht. Wobei ganz zugezogen, ragt der Wärmekragen des Reißverschluss beim Sterne gucken schnell mal keck ins Blickfeld.

Mittlerweile ist die schmale Kopfform weit verbreitet, das hatte ich bisher noch nicht. Das ist echt ein tolles Feature: Bei einem leichten Wind wird nur die Nasenspitze kalt. Bisher hatte ich mir oftmals mit einer Mütze beholfen, dafür konnte ich mein aufblasbares Kissen mit ins Kopfteil reinstecken. Auf der glatten und schrägen Oberfläche des Robens Serac 900 ist es mir nachts oft mal weggerutscht.

Schlafsack Serac 900

Der Serac 900 ist auch sonst figurbetont geschnitten, ich fühle mich trotz Winterspeck nicht als Pellwurst. Die Robens Serac Reihe ist vor allem im Fußraum geräumig. Im Couloir ist es dagegen einen Tick enger. Aber da unten sammelt sich ja eh so einiges Zeugs, das nachts nicht einfrieren soll. Trotz seine anliegenden Form konnte ich mich gut darin bewegen.

Der Serac ist etwas leichter und länger als sein Couloir Kollege, dafür mit annähernd gleichen Temperaturwerten. Ich bin gespannt, ob ich je an seine Grenztemperatur komme. Im Serac war erwartungsgemäß die ganze Zeit “Laue Sommernacht”-Modus: Dick eingemummelt in gefühlt doppelter Menge an flauschigen Daunen, lässt es sich ganz entspannt den Sternenhimmel beobachten, Sternschnuppen inklusive. Yeah!

Die Schlafsäcke kommen mit einem Packsack ohne Kompressionsriemen. Er passt genau ins Schlafsackfach des Rucksacks, so trägst Du die Daunen auf schonende Weise. Für daheim gibt es einen großen Netzbeutel, der luftig ist und schützt: Die Daune mags gern fluffy.

Ein sehr solides Produkt mit gutem Preis-Leistungsverhältnis. Ein Schlafsack für die Minustemperaturen in den kältesten Nächten des Winters.

PRO: glatter, angenehmer Stoff, gut gearbeitete Nähte, solide Reißverschlüsse. Die gezielte Bedienung der Kordeln. Weitere clevere Details, die Dir die Zeit im Liegen versüßen. Super warme Mütze, schließt auch bei leichtem Wind dicht ab.

KONTRA: Ganz zugezogen steht die Wärmeabdeckung des Reißverschluss etwas ab, aber es wird deshalb nicht kalt.

Link zum Produkt: Robens Serac 900


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Fazit:

Alle drei getesteten Schlafsäcke haben sich unter hochalpinen Testbedingungen unsere Empfehlung verdient, Du wirst in keinem davon frieren. Versprochen.

Falls Du jetzt mit einem davon liebäugelst, spielen vor allem Deine Detail-Vorlieben, ethische Präferenzen und nicht zuletzt der Geldbeutel die ausschlaggebende Rolle.

(Fairerweise muss ich noch erwähnen, dass ich nach dem Huayhuash-Trek einer Weggefährtin ihre Isomatte Thermarest NeoAir Xlite abgekauft habe da meine uralte Trangoworld Skin MicroLite den direkten Kontakt mit der Sonne nicht überstanden hat. Insofern ist jetzt die Isolation nach unten auch eine bessere.)

Wenn Du noch kein Basiswissen zum Thema Schlafen bei Minustemperaturen hast, schau doch mal bei wandern.com oder schlafsack.net vorbei, die haben einen guten Überblick zum Thema. Eine übersichtliche generelle Kaufberatung findest Du bei Campz.

P.S. Wir werden die beiden Robens-Modelle langfristig auf Gedeih und Verderb testen und diesen Beitrag dann natürlich updaten

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